Dünnes Eis – dicker Bär

Wie Eisbären die Klimakrise austricksen

Weit, weit im Norden, dort wo es monatelang dunkel ist und das Meer gefriert, leben die Könige der Arktis: Eisbären. Mit ihrem dicken Fell, einer mächtigen Speckschicht unter der Haut und Pfoten wie Schneeschuhen sind sie perfekt ausgerüstet für ihr eisiges Zuhause. Doch dieses Zuhause schmilzt ihnen buchstäblich unter den Pfoten weg. Das Meereis der Arktis wird seit Jahrzehnten immer weniger.

Für die Eisbären ist das ein echtes Problem. Denn sie brauchen das Eis, um Robben zu jagen. Die tauchen an Eislöchern auf, um Luft zu schnappen, und dort lauern die Bären geduldig auf sie. Aber Ohne Eis keine Jagd, ohne Jagd kein Fett und ohne Fett kein Überleben.

Eine überraschende Wendung

Die Polarbären stehen seit langem deshalb unter starkem Druck. Jetzt haben Forschende des Norwegischen Polar-Instituts eine Entdeckung gemacht, die Hoffnung gibt. Sie haben fast 30 Jahre lang Eisbären auf der Inselgruppe Spitzbergen untersucht. Insgesamt 770 erwachsene Tiere haben sie vermessen: Körpergröße, Brustumfang und Gewicht. Die Ergebnisse zeigen, die Eisbären, oder „Nanuq“, wie die Grönländer die Tiere nennen, sind in besserer körperlicher Verfassung als vor 20 Jahren. Wie ist das möglich, wenn ihr Lebensraum kleiner wird?

Eisbären lernen dazu

Die Antwort liegt in der Anpassungsfähigkeit der Eisbären. Statt nur Robben zu jagen, haben viele von ihnen begonnen, auch Rentiere zu jagen. Diese wurden lange Zeit von Menschen übermäßig gejagt. Seitdem die Jagd aber eingeschränkt wurde, erholen sich die Bestände und sie werden damit zur neuen Nahrungsquelle für die Bären. Eisbären verfolgen Rentierherden stundenlang durch Schnee und über Hügel, warten auf den richtigen Moment und sprinten dann los. Tierfotografen berichten, dass die Bären dabei eine unglaubliche Ausdauer zeigen. Auch Walrosse, Seehunde und Vogeleier werden häufiger zu Eisbärenbeute.

Clevere Bären allein reichen nicht

Leider ist das für den Eisbären noch kein Happy End. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind sich einig: Die Lage ist nach wie vor ernst. Wenn das Meereis weiter zurückgeht, müssen Eisbären immer längere Strecken schwimmen, um Nahrung zu finden. Das kostet viel Energie, besonders für Bärenmütter mit Jungtieren.

Genau deshalb wollen Forschende jetzt genauer hinsehen: In einer neuen Studie soll mithilfe von Senderdaten verfolgt werden, wie oft Eisbären tatsächlich Rentiere jagen, und was das für die Rentierpopulation bedeutet. Denn die ist für das arktische Ökosystem von großer Bedeutung. Wenn Eisbären nun häufiger auf sie als Beute angewiesen sind, könnte das Folgen für die ganze Nahrungskette haben.

Außerdem gilt: Was in Spitzbergen funktioniert, klappt nicht überall. In anderen Teilen der Arktis, etwa rund um die Hudson Bay in Kanada, schrumpfen die Eisbärenpopulationen bereits. Jede Region ist anders, und nicht alle Bären haben das Glück, auf Rentiere ausweichen zu können.

 

Gemeinsam für die Eisbären

Die Eisbären in Spitzbergen zeigen: Tiere sind erstaunlich schlau und anpassungsfähig. Aber auch die cleversten Bären brauchen unsere Unterstützung.

Der wichtigste Schutz für Eisbären ist der Klimaschutz. Denn wenn sich das Meer erwärmt und das Meereis verschwindet, haben Eisbären auf lange Sicht keine Zukunft. Schutzgebiete helfen, wichtige Jagdgründe zu erhalten und die Forschung macht weiter, damit wir verstehen, wie es den Tieren wirklich geht.

 

Quellen:
https://doi.org/10.1038/s41598-025-33227-9
https://www.geo.de/natur/tierwelt/trotz-klimakrise--in-spitzbergen-geht-es-den-eisbaeren-besser-als-zuvor-37089128.html
https://www.tagesschau.de/wissen/klima/artenvielfalt-eisbaeren-erderwaermung-100.html
https://unsplash.com/de/fotos/eisbar-tagsuber-auf-schneebedecktem-boden-qQWV91TTBrE
https://nationalgeographic.de/tiere/2024/12/neue-aera-in-der-arktis-warum-eisbaeren-immer-oefter-rentiere-jagen/
https://noticiasambientales.com/tiere/trotz-des-meereisverlusts-in-norwegen-sind-einige-eisbaren-auf-svalbard-dicker-und-gesunder/