Forschungsauftrag Pupille: Mias Tag als Tierforscherin im Zoo
Mika hat ihren Rucksack vollgepackt. Notizbuch, Tierlexikon, viele bunte Stifte und ein Fernglas. Heute ist sie keine gewöhnliche Zoobesucherin, sondern Tierforscherin. Als sie heute morgen genüsslich auf ihren Schokoflocken herumgekaut hat, ist ihr etwas aufgefallen: Die Katze der Nachbarn saß wie jeden Morgen auf dem Fensterbrett und im hellen Sonnenlicht hatte sie ganz schmale, senkrechte Pupillen. Aber Mikas Augen sind im Spiegel immer rund. Warum ist das so? Und haben vielleicht auch andere Tiere verschiedene Pupillenformen?
Deshalb hat Mika eine Mission. Und eine Forschungsfrage: Warum haben verschiedene Tiere unterschiedlich geformte Pupillen, und steckt ein System dahinter?
🐐Station 1: Das Ziegengehege
Am Streichegehege kniet Mika sich hin und blickt einer kleinen, freundlichen Ziege direkt in die Augen, dann notiert sie: „Pupille waagrecht, fast wie ein liegender Müsliriegel.“ Dann schlägt sie in ihrem Lexikon nach. Ziegen fressen Pflanzen und müssen ständig aufpassen, dass sich kein Raubtier anschleicht. Ihre Augen sitzen seitlich am Kopf. Zusammen mit der waagrechten Pupille ergibt das ein riesiges Sichtfeld rundherum. Mika notiert deshalb ihre Vermutung: „Waagrechte Pupille = gutes Frühwarnsystem für Fluchttiere.“
🐅 Station 2: Das Raubkatzenhaus
Weiter geht es zu den Löwen. Mika erwartet schmale Augen mit Schlitzen wie bei der Nachbarskatze und ist überrascht: Der Löwe hat runde Pupillen, genau wie sie selbst! Ihre erste Vermutung war also nicht ganz richtig, notiert sie ganz ehrlich in ihrem Heft. Zum Vergleich schaut sie sich ein Foto der Hauskatze an, das sie heute morgen gemacht hat: schmale, senkrechte Schlitze. Woran könnte der Unterschied liegen? Mika überlegt: Eine Hauskatze pirscht sich dicht am Boden an ihre Beute heran, oft in der Dämmerung. Der senkrechte Schlitz hilft ihr dabei, Entfernungen besonders genau einzuschätzen. Ein Löwe dagegen ist viel größer und verfolgt seine Beute oft über weite, offene Strecken. Für ihn zählt eher er Rundumblick als der Distanz-Trick der kleinen Jäger. Mika notiert: „Nicht nur Jäger oder Beute entscheiden über die Pupillenform, auch Körpergröße und Jagdstil spielen eine Rolle.“
🐍 Station 3: Das Terrarium
Im Terrarienhaus liegt eine Schlange ganz ruhig hinter Glas. Mika braucht einen Moment, bis sie die Pupille überhaupt findet: ein feiner, senkrechter Strich, kaum breiter als ein Haar. Neugierig liest sie das Infoschild am Gehege und erfährt: Die Schlangenart lauert oft stundenlang bewegungslos auf einen günstigen Moment, statt ihre Beute zu verfolgen. Sie erinnert sich an ihre Notiz von der Nachbarskatze und schreibt: „Schon wieder ein Lauerjäger mit senkrechtem Schlitz!“ Mika blättert außerdem kurz in ihrem Tierlexikon nach und findet dort einen Satz, der ihre Vermutung bestätigt: Tiere, die aus dem Hinterhalt jagen, haben besonders häufig senkrechte Schlitzpupillen. Ein weiterer Hinweis dafür, dass die Pupillenform zur Jagdmethode passt und kein Zufall ist.
Was Mika am Ende des Tages weiß
Als Mika am Abend wieder zuhause ist, blättert sie in ihrem Notizbuch und fasst zusammen, was sie herausgefunden hat: Waagrechte Pupillen findet man häufig bei Pflanzenfressern mit Augen an der Seite des Kopfes. Sie brauchen einen weiten Rundumblick, um Feinde früh zu erkennen. Senkrechte Schlitzpupillen tauchen vor allem bei kleinen Tieren auf, die sich anschleichen oder aus dem Hinterhalt lauern müssen. Große, aktiv jagende Raubtiere wie Löwen haben dagegen wieder runde Pupillen. Genau solche Zusammenhänge haben auch echte Verhaltensforscherinnen und Verhaltensfoscher in wissenschaftlichen Untersuchungen entdeckt. Mika ist also in ihrer Zoo-Forschung nah an der echten Wissenschaft.
Bildquelle: O’Friel, M. (2021, 14. Januar). Ziege. Unsplash. https://unsplash.com/de/fotos/schwarz-weisses-ziegenkind-w7OD2B82Rmw
Quellen: https://doi.org/10.1126/sciadv.150039 https://doi.org/10.1016/j.oftal.2014.04.005 https://www.sciencefocus.com/nature/why-do-animal-pupils-come-in-different-shapes https://news.berkeley.edu/2015/08/07/pupil-shape-and-ecological-niche/
