Unsichtbare Fallen im Meer

Unsichtbare Fallen im Meer: Wenn Netze zu Geistern werden

Ganz ruhig gleitet eine Meeresschildkröte durch blaues Wasser. Plötzlich: zack! Etwas Unsichtbares hält sie fest. Kein Monster, kein Hai – sondern ein altes Fischernetzt, das niemand mehr benutzt. Doch es ist gefährlicher denn je. Es ist der Grund für sogenanntes Geisterfischen.

Was steckt hinter dem Geisterfischen?

Fischerinnen und Fischer benutzen Netze, Leinen, Fallen und Reusen, um Fische zu fangen. Manchmal gehen diese Geräte verloren, bei Stürmen, durch starke Strömungen oder weil sie kaputt sind. Manche werden leider auch einfach ins Meer geworfen. Und genau dann werden sie zum Problem: Die Ausrüstung fischt weiter, ganz ohne Fischerin oder Fischer. Deshalb nennt man sie Geistergeräte.

Warum ist Geisterfischen so gefährlich?

Die zurückgelassenen Netze treiben durchs Meer oder liegen auf dem Meeresboden. Sie sind oft kaum zu sehen, besonders im dunklen oder trüben Wasser. Tiere schwimmen hinein, verheddern sich und kommen nicht mehr frei.

Besonders schlimm ist das für Tiere, die Luft holen müssen. Dazu gehören zum Beispiel Meeresschildkröten, Seevögel, Delfine und andere Wale. Können sie nicht mehr auftauchen, ersticken sie. Auch Fische, Krebse und andere Meeresbewohner sterben in den Netzen. Weltweit sind davon über 700 Tierarten betroffen.

Der Geisterfischerei-Kreislauf als endloses Problem

Ein einzelnes Netz kann jahrelang Schaden anrichten.

So wird aus einem Netz oft ein riesiger, schwerer Knäul.

 

Wie groß ist das Problem und wer kümmert sich darum?

Jedes Jahr landen schätzungsweise hunderttausende Tonnen Fischereiausrüstung im Ozean. Das schadet nicht nur den Tieren, sondern auch Korallenriffen, die zerdrückt werden, Mangroven, die wichtige Kinderstuben für Fische sind und Schiffen, die sich mit ihren Schrauben verfangen können.

Zum Glück gibt es Menschen, die helfen. Spezielle Tauchteams suchen nach Geistergeräten. Das ist harte Arbeit: Manche Netze wiegen so viel wie ein Elefant! Die Taucher müssen also mehrmals tief hinunter. Das ist anstrengend und gefährlich.

Clevere Ideen gegen Geisterfischen

Auch Organisationen wie der WWF, die Global Ghost Gear Initiative oder Ghost Diving arbeiten weltweit daran, Netze zu bergen und zu recyclen. In manchen Ländern, wie Peru, werden alte Netze sogar zu Spielzeug oder Kleidung recycelt. Ziemlich clever, oder?

Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben spannende Vorschläge:

  • Biologisch abbaubare Netze, die sich nach einiger Zeit im Meer zersetzen
  • Bojen mit Solarenergie und GPS, damit verlorene Netze leichter gefunden werden
  • Mini-Markierungen, damit man weiß, wem ein Netz gehört
  • Bessere Regeln, damit Netze nicht einfach weggeworfen werden

 

Auch ihr könnt helfen!

Ihr müsst keine Taucherinnen oder Wissenschaftler sein, um zu helfen. Schon kleine Dinge machen einen Unterschied:

  • Sprecht zum Beispiel mit euren Freunden, eurer Familie oder in der Schule über das Thema. Je mehr Menschen Bescheid wissen, desto besser.
  • Wenn ihr am Strand seid, könnt ihr herumliegenden Müll einsammeln oder bei der Wasserwacht melden. Aber seid dabei vorsichtig, damit ihr euch nicht verletzt.
  • Seid neugierig: Lest Bücher, fragt nach und lernt mehr über das Meer. Wissen ist der erste Schritt zum Schutz des Meeres.

Mit Wissen, Ideen und Teamarbeit können wir die Geister aus dem Meer vertreiben und dafür sorgen, dass Schildkröten, Delfine und Fische wieder frei schwimmen können.

 

Bildquelle: KI-generiert mit Adobe Firefly
Quellen:
https://engage.iucn.org/group/ocean-and-coasts/topic/ghost-fishing
https://www.deeptrekker.com/news/ghost-fishing
http://jukuri.luke.fi/handle/10024/542245
https://oliveridleyproject.org/what-are-ghost-nets/ghost-fishing-cycle-of-devastation/
https://www.worldwildlife.org/our-work/oceans/stopping-ghost-gear/