Bens Streifzüge durch Neuseeland

Hallo, Ben hier. Von meiner Reise durch Frankreich habe ich euch ja schon berichtet. Meine nächste Reise führte mich nach Neuseeland und wieder gibt es ganz tolle Orte von denen ich euch erzählen kann.

Neuseeland ist ein Inselstaat im Südpazifik und besteht aus einer Nord- und einer Südinsel. Ungefähr 18.000 Kilometer liegen zwischen Deutschland und Neuseeland. Das ist die dreifache Länge von Europa. Selbst mit dem Flugzeug dauert die Reise einen ganzen Tag.

Angekommen in Neuseeland war mein erstes Ziel die Region Bay of Plenty (deutsch übersetzt „Bucht der Fülle“) auf der Nordinsel. Das Gebiet ist sehr groß, aber ich wusste genau, wo ich hinwollte: in das Waimangu Tal. Dieses Tal ist noch sehr jung. Vor 135 Jahren gab es einen Ausbruch des Vulkan Tarawera. In der Schule lernen wir, dass unsere Welt mit dem Urknall aus Feuer und Asche entstand. Das Entstehen des Waimangu Tals lässt sich auf die Minute genau bestimmen: 10. Juni 1886 um 5:30 Uhr. Die Eruption formierte dieses Tal in einer Länge von 17 Kilometer. Gespannt war ich auf den Waimangu-Geysir. Das war einst der größte Geysir der Welt – das Wasser schoss bis 400 m in die Höhe – höher als der Berliner Fernsehturm. Dieser Geysir wurde Namensgeber für das Tal, zumal das Wasser durch Schlamm schwarz gefärbt war (Waimangu bedeutet „Schwarzes Wasser“ bei den Maori).  Ich wanderte durch das Tal und war ganz begeistert, wie wunderschön es ist.

Mein Weg führte mich weiter in den südlichen Teil der Nordinsel. Währenddessen schaute ich nach einem ganz besonderen Vogel: dem Kiwi. Dieser Kiwi hat nichts mit der Frucht zu tun. Es ist der Kiwi-Bird. Die Neuseeländer unterscheiden die beiden Kiwis in Kiwi-Fruit (Kiwifrucht) und Kiwi-Bird (Kiwi-Vogel). Der Kiwi-Bird ist das Nationalsymbol Neuseelands. Von ihm leitet sich auch die Bezeichnung der Bewohner Neuseelands als „Kiwis“ ab. Das Leben in Neuseeland war lange Zeit für den Kiwi sehr bequem, er hatte keine natürlichen Feinde und fand als Allesfresser reichlich Nahrung. Mit seinem langen Schnabel wühlt der Kiwi besonders gerne nach Würmern. Heute gehört der Kiwi zu den flugunfähigen Vögeln. Dafür ist er aber ein sehr flinker und kleiner Laufvogel und leider vom Aussterben bedroht! Mit den Siedlern aus Europa kamen auch Fressfeinde für den Kiwi (z. B. Ratten) nach Neuseeland. Der Kiwi wurde auch gejagt, so dass seine Bestände heute nur noch auf 3.000 Stück geschätzt werden. In freier Wildbahn ist er sehr schwer zu finden, es ist ein nachtaktiver Vogel. Das bedeutet, der Kiwi schläft am Tag im Versteck und ist nachts unterwegs. Wer einen Kiwi am Tag sehen möchte, besucht die „Kiwihäuser“ in den Wildtierparks.

Die Kiwi-Fruit wird zwar in Neuseeland angebaut, kommt ursprünglich jedoch aus Südostasien. China ist die ursprüngliche Heimat der Kiwi-Pflanze, deshalb hieß die Kiwi auch „Chinesische Stachelbeere“ oder „Chinesische Strahlengriffel“. Erst zur Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert erreichte die Kiwifrucht Neuseeland, in Form von Kiwisamen im Gepäck einer Neuseeländerin.

Die Maori

Nun wollte ich auch die Maori, die Eingeborenen, besser kennenlernen. Es wird vermutet, dass die ersten Maori vor etwa 1.000 Jahren nach Neuseeland kamen. Nach den Erzählungen und Legenden ist die Urheimat der Maoris die mythologische Insel Hawaiki. Diese Insel soll ein magischer Ort sein, wo Götter leben, Menschen sich in Vögel verwandeln können und wo man in den Himmel oder die Unterwelt weiterzieht. Es gibt darüber viele Geschichten bei den Maoris. Bis heute ist Hawaiki ein wichtiger Teil der Maori-Traditionen – Lieder und Stammbäume werden an die nächsten Generationen weitegegeben. In Wirklichkeit kamen die Maori von einer polynesischen Insel nach Neuseeland. Polynesien ist eine dreieckige Inselregion im Pazifik, die sich von Neuseeland bis nach Nord- bzw. Südamerika ausdehnt. Weitere berühmte Inseln in Polynesien sind z. B. Hawaii, die Osterinseln oder Tahiti. Die Maoris haben Neuseeland besiedelt, in ihrer Sprache heißt das Land „Aotearoa“ und bedeutet „Land der langen weißen Wolke“. Sie haben ihre eigene Sprache, eine eigene Kultur und viele für uns Europäer fremde Rituale. Die Ortsnamen haben ebenso ihren Ursprung in der Maori-Sprache.

Der Engländer James Cook bereiste im 18. Jahrhundert die Welt mit dem Schiff und erreichte Neuseeland im Jahr 1769. Er gilt als Entdecker und Vermesser Neuseelands. Dann kamen europäische Siedler – vor allem Briten. Für die Maori brachte die Besiedlung Vorteile, als auch Nachteile: Die Neuankömmlinge schleppten Krankheiten ein, gegen die die Einheimischen keine Abwehrstoffe besaßen, z. B. Grippe oder Masern. Im Jahr 1840 schickte die britische Krone einen Gouverneur nach Neuseeland und der Inselstaat wurde vertraglich zu einer britischen Kolonie. Heute ist Neuseeland noch immer Mitglied der britischen Commonwealth-Staaten, doch gibt es zahlreiche eigene Handelsabkommen sowie eine unabhängige Außenpolitik. Rund 16,5 % der Bevölkerung Neuseelands sind Maori, die erst vor einigen Jahres ihre Rechte verfassungsmäßig festlegen konnten.

Um die Maori besser kennenzulernen, besuchte ich einen Marae. Marae sind Versammlungsstätten der Maori, die aus mehreren Gebäuden bestehen. Jeder Iwi (zu Deutsch „Stamm“) hat seine eigene Marae. Dort treffen sich Mitglieder des Stammes, Unterstammes und der einzelnen Familien. Es wird zusammen gekocht, getanzt und gefeiert. Das Hauptgebäude jeder Marae ist das Wharenui – ein Begegnungshaus, dass durch wunderschöne Schnitzereien glänzt. Bevor ich das Marae betreten darf, nehme ich an einem traditionellen Willkommensritual „Põwhiri“ teil. Das Ritual besteht aus mehreren Schritten: Zuerst fordert mich ein Krieger der Maori heraus, um festzustellen, ob ich Freund oder Feind bin. Dazu wird ein kleiner Zweig von dem Gastgeber auf den Boden gelegt – ich hebe ihn auf und zeige damit, dass ich ein Freund bin. Dann folgt der Willkommensruf. Erst danach darf ich die Marae betreten. In der Marae wird von den Gastgebern und den Besuchern eine Rede gehalten und gesungen. Es gibt es die traditionelle Berührung „Hongi“, man berührt sich gegenseitig mit der Nase. Dann wird gemeinsam gegessen. Nachdem ich meine Zeit mit den Maori verbrachte und von ihnen noch einen alten Tanz und seine Bedeutung gelernt habe, verabschiedete ich mich von ihnen und Neuseeland. Der Abschied fiel mir schwer, aber irgendwann will jeder wieder nach Hause.